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Struktur und Eigenschaft

Oder Form und Inhalt. Das hat mehr mit Beziehung, Kultur und Kreativität zu tun, als man denken mag. Im Chemieunterricht habe ich einmal gelernt, dass sich die Eigenschaften eines Stoffes sich nicht nur aus den Atomen ergeben, die ein Stoff-Teilchen aufbauen. Entscheidend ist ebenfalls, wie sich die Atome anordnen und wie dadurch die Stoff-Teilchen miteinander agieren. In bestimmten Fällen können sich die gleichen Atome auf verschiedene Arten miteinander verbinden. Dadurch entstehen unterschiedliche Teilchen, die daher auch unterschiedliche Eigenschaften besitzen. Die Eigenschaften eines Stoffes sind daher nicht allein von den Atomen abhängig, die das Stoff-Teilchen ergeben. Auch die Art der „Verknüpfung“ untereinander spielt eine große Rolle. In den Naturwissenschaften bezeichnet man dies als Struktur-Eigenschafts-Beziehung.

Übertrage ich diese Gedanken auf mein eigenes Leben, dann bedeutet das, dass äußere Umstände innere Zustände bedingen. Gehe ich weiter davon aus, dass alles letztlich Eins ist, dann bedeutet das, dass äußere Umstände innere (gedanklich-mentale) Zustände bedingen – und umgekehrt. Erfahren kann ich das ganz einfach, in dem ich die Musik anstelle. Je nachdem, was gerade durch den Äther kommt, wird meine innere Stimmung dadurch zwar nicht entsprechend geändert, aber doch ganz klar eingefärbt. Daher suche ich meine Musik auch selbst aus und lasse sie mir nicht durch einen Sender aussuchen.

Dieses Phänomen kenne ich auch auf der körperlichen Ebene, im autogenen Training, Allein dadurch, dass ich mir etwas vorstelle, kann ich es mit einiger Übung tatsächlich körperlich erfahren. So kann ich über diesen Weg meinen Herzschlag beruhigen oder einen erhöhten Blutdruck herunter regeln. Natürlich nicht, weil ich es will, sondern indem ich über Bande spiele. Ich stelle eine körperliche Haltung her, die genau das bewirkt, was ich möchte. Ich habe also keinen direkten Zugang zur Regulierung meines Herzschlags, aber einen indirekten. So kann ich auch Propriozeption nicht direkt, sondern nur indirekt üben.

Es gibt ja viele, die der Ansicht sind, dass es Quatsch sei, dass alles Eins wäre. Und genauso viele gibt es auch, die autogenes Training für etwas Mystizistisches halten, jedenfalls nichts, was erst zu nehmen wäre. So zu denken entspricht nicht unserem „gewöhnlichen“ Welt- und Selbstverständnis. Dazu kommt, dass man solche Dinge nicht schlüssig herleiten kann, sie folgen unserer Logik nicht. Dabei wissen wir schon lange, dass wir uns ernsthaft Gedanken über unser Weltbild machen sollten. Und wohl auch müssten. Jedenfalls sagen das nicht nur Taoisten und Ch‘an Menschen, sondern auch die Quantenphysiker, auf die ich mich sehr gerne beziehe, denn man kann nicht so einfach abtun, was sie sagen, schließlich funktioniert ja, was sie mit diesem Wissen machen.

Es wäre fatal, die Erkenntnisse der Quantenphysik allein in die Schublade „Technik“ einzusortieren. Für die bisherige Physik trifft das vielfach zu, die Quantenphysik wirft eine Menge fundamentaler und sehr, sehr grundsätzlicher Fragen auf. Es gäbe ohne Quantenphysik kein Navi, kein Handy, keinen CD-Spieler und keinen Flug auf den Mond, um nur ein paar Dinge zu nennen, die ohne dieses Wissen nicht möglich wären. Die Quantenphysik fragt nach den Grundlagen des Existierenden. Was verwundert es da, dass man in genau dieser Richtung fündig wurde – nur ganz anders, als man es erwartet hatte.

Mit anderen Worten: Unser bisher angenommenes Weltbild stellte sich schlicht und einfach als falsch heraus, falsch, weil unvollständig. Aber nicht nur in den Details, sondern sehr, sehr grundsätzlich. Ich sitze zwar immer noch auf dem Stuhl wie früher, aber irgendwie ist alles anders, vor allem, wenn es das nicht Sichtbare betrifft. Etwa das Denken. Und das macht es so attraktiv, mich mit Quantenphysik zu beschäftigen, jedenfalls für mich. Denn sie hat zwei Seiten, einmal die sehr konkrete, praktische und dann auch die fundamentale, philosophische Seite.

Albert Einstein formulierte das folgendermaßen: „Was die Materie angeht, lagen wir alle falsch. Was wir Materie nannten, ist Energie, dessen Schwingung so gesenkt wurde, daß sie für die Sinne wahrnehmbar wird. Es gibt keine Materie.“ Er sagt also, dass es keine Materie gibt und liegt damit unbestreitbar richtig: Er sagt die Wahrheit. Leugnen zwecklos. Denn das, was wir als Materie bezeichnen ist nur ein „Trick“ unserer Wahrnehmung. Eine perfekte Illusion. Dennoch holt sich jeder eine blutige Nase, der die offene Tür ignoriert und den Weg durch die massive Wand wählt. Denn das Mauerwerk besteht – für jeden von uns – aus Materie. Das ist ebenfalls wahr.

Beide Aussagen …

Die Materie bestimmt unser gesellschaftliches Leben
Es gibt keine Materie

… sind wahr, jede in ihrem Kontext.

Wer daher sagt, es gäbe nur eine einzige Wahrheit, der lügt – oder weiß es einfach nicht besser, beziehungsweise sieht nicht genau genug hin. Was wir bisher für absolut wahr hielten, ist es nicht. Nur eine relative Wahrheit. Man könnte auch sagen: Materie ist eine handfeste Illusion – aber auch eine sehr reale. Nur darf man sich davon nicht täuschen lassen. Niels Bohr wurde einmal als Erfinder der Wirklichkeit bezeichnet, weil er ein Atommodell entwickelte, mit dem wir sehr gut arbeiten können. Jedenfalls Chemiker kommen damit sehr gut klar. Nur dass dieses Modell eben ein Modell ist und nicht die Wirklichkeit. Es suggeriert nur eine. Fatal, wenn man das dann für die absolute Wirklichkeit hält. Dabei ist es nur eine Vorstellung davon.

Auch was wir sehen, ist nur ein Modell der Wirklichkeit, eine Vorstellung davon. Und genau so ist es auch mit unseren Gedanken, die letztlich nur ein Modell dessen sind, was wir tatsächlich denken. Wenn wir jedoch unsere Gedanken mit unserem Denken gleichsetzen, dann halten wir etwas für real, was tatsächlich nur ein Modell, eine Vorstellung ist. Unsere Gedanken sind nichts anderes als eine energetische Schwingung, die jedoch so verlangsamt ist, dass wir sie wahrnehmen können. Aber sie sind dann etwas anderes geworden, entsprechen nicht mehr dem ursprünglichen Denken.

Damit stellt sich für mich die Frage, weshalb ich denke, was ich denke. Ich glaube, es ist ganz einfach. Was ich denke, weiß ich nicht und habe ich auch nicht unter Kontrolle. Es denkt sozusagen, nicht ich. Dabei ist es wie mit der Musik. Was ich höre, erzeugt eine Gestimmtheit in mir. Bei den Doors ist es eine andere als bei Bach. Und ordentlich angezogen kann ich Rechenaufgaben besser lösen als im Schlabberlook. Fakt ist, dass mich mein Umfeld gedanklich und mental unmittelbar beeinflusst, jedoch ohne, dass ich das bewusst „lenken“ könnte. Ich bin dem regelrecht ausgeliefert.

Was ich jedoch definitiv kann, das ist mich mit meinem Umfeld kritisch auseinanderzusetzen und nicht einfach ja und Amen zu sagen – was ich in der Haltung der Konvention regelmäßig tue. Also schon mal Schluss mit der Konvention. Und ansonsten kann ich die Struktur selbst gestalten und definieren, in der ich lebe. Damit definiere ich die Inhalte, die ich dann generiere. Es ist ja hinlänglich bekannt, dass die Form den Inhalt macht – und nicht etwa umgekehrt. Daher: Mein Bewusstsein gestaltet meine Welt. Durch die Quantenphysik wissen wir ja, dass wir unsere Realität bewusst gestalten – und nicht nur können. Wir tun es, auch wenn wir uns dessen nicht bewusst sind und viele lieber andere für die eigene Wirklichkeit verantwortlich machen wollen. Traurig aber wahr.

Ich lebe in permanenter Beziehung mit allem, was mich umgibt. Der Raum, die Musik, die Menschen – einfach alles. Es kommt daher immer darauf an, wie ich mich dazu in Beziehung setze, welche Rückkopplung ich dazu gebe. Seit ich das begriffen habe, achte ich sehr darauf, was mich einerseits umgibt und dann, wie ich mich dazu in Beziehung setze. Vor allem habe ich gelernt, auf meine Träume zu achten, denn die sagen mir sehr genau, was da so im Untergrund in mir werkelt, wenn sie auch oft nicht so einfach zu interpretieren sind. Doch die Mühe lohnt sich.

Veröffentlicht in Reflexionen