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Prolog

Der Inhalt der Physik geht die Physiker an,
die Auswirkung alle Menschen
.“
Friedrich Dürrenmatt

Sehen, was ist

Zu Beginn steht erst einmal die nüchterne Feststellung dessen, was ist. Dabei muss man nur aufpassen, nicht zu sagen oder zu denken ‚Naja, so schlimm ist es ja doch nicht‚ – denn es ist schlimm. Es ‚kostet‘ uns, bildlich gesprochen, unser Weltbild. Jedenfalls mir erging es so.

Im Land der Blinden

H. G. Wells beschreibt in seiner Erzählung  „Das Land der Blinden“ exakt, wie unsere Gesellschaft funktioniert. Wir haben die Wahl: Entweder, wie gehören dazu – und lassen uns die Augen ausstechen – oder wir entsagen der Konvention und dem Mainstream. Was natürlich erst einmal bedeutet bereit zu sein, die Konsequenzen dafür zu tragen.

Freiwillige Knechtschaft

Auch Étienne de La Boétie hat das in seiner „Abhandlung über die freiwillige Knechtschaft“ treffend beschrieben. Er stellte fest, dass die Unterdrückung vieler Menschen durch einen einzigen nur solange möglich ist, wie die Vielen sich unterwerfen, statt sich kollektiv zu widersetzen. Das einzige „Problem“ ist zu erkennen, also zu akzeptieren, dass man selbst genau das tut, was alle anderen auch tun, nur um auch einen Zipfel von der Macht zu bekommen – und auszusteigen.

Paradigmenwechsel

Für mich war das erst einmal eine Tatsache, die vieles in meinem Leben in einem anderen Licht erscheinen ließ. Natürlich weiß ich, dass niemanden außer mir selbst für mein Leben verantwortlich ist, nur ich selbst. Heute ist mir klar, dass ich die Fragen, die ich mir heute stelle, viel früher hätte stellen müssen. Aber was soll’s? Hauptsache, ich stelle sie!

Selbst verantwortlich

Wenn ich jemandem einen Vorwurf mache, dann mir selbst, dass ich mich nicht früher gegen die Dinge zur Wehr gesetzt habe, die ich nicht wirklich wollte, sondern nur widerwillig toleriert habe. Ich habe wider besseres Wissen und gegen meine eigenen Empfindungen gehandelt und in einem Spiel mitgespielt, dass ich ‚eigentlich‘ überhaupt nicht spielen wollte. Aber wie gesagt: ‚eigentlich‘.

Konsequent sein!

Eines habe ich mittlerweile verstanden: Kein Handeln mehr wider besseres Gefühl. Dazu brauche ich vollkommene Ehrlichkeit und wirklichen Klartext in allem, will ich nicht auf meine eigenen Gefühle hereinfallen. Kein Spiel mehr mitspielen, das das Spielen nicht wert ist. Keine Rücksichtnahme mehr, nur um mich selbst zu schützen. Ich habe wirklich verstanden, dass es verdammt übel ausgehen kann, wenn man mit den Wölfen heult und dem Mainstream folgt, nur weil man etwas erreichen will, weil man dazu gehören will, weil man nicht ausgeschlossen sein will.

Was lässt uns das ‚Falsche‘ tun?

Nicht was getan wird ist das wirkliche, das eigentliche Problem, sondern das, was die Menschen, also uns und mich selbst so handeln und werden lässt. Das hat nichts mit den gesellschaftlichen Bedingungen zu tun, sondern damit, dass wir meist noch immer lieber in der Konvention als in der Wahrheit leben. Die Wahrheit erscheint uns oft zu radikal, zu kompromisslos.

Handeln wider besseres Wissen

Lieber tun wir so, als sei alles in Ordnung, auch wenn wir ‚eigentlich‘ wissen, dass nichts in Ordnung ist. Wir spielen das Spiel so lange, bis es irgendwann kein zurück mehr gibt, bis wir nicht mehr aus der Situation herauskommen. Wenn wir also keine ethische Haltung haben, die der Wirklichkeit gerecht wird, einer Wirklichkeit, wie sie ist und nicht, wie wir sie glauben zu sehen oder auch sehen wollen, um unsere Interessen durchsetzen zu können.

Sehen, was wirklich ist

Das bedeutet, wir müssen die Wirklichkeit ergründen und nicht einfach annehmen, wir wüssten, was wirklich ist. Wir müssen lernen, die Wirklichkeit zu sehen, wie sie ist und nicht, wie wir sie uns vorstellen. Denn wir wissen heute, dass die Wirklichkeit ganz anders ist, als wir sie uns bisher vorgestellt haben und viele sie sich noch immer vorstellen. Nur wir wollen es bislang vielfach noch nicht wahrhaben, bedeutet das doch, ‚Wirklichkeit‘ erst lernen zu müssen. Nur das müssen wir, wollen wir nicht wie unsere Eltern und Großeltern Gefahr laufen, das Gleiche zu machen wie sie.

Was ist richtig? Was ist falsch?

Ich habe gerade einen interessanten Text gelesen, worin die Aussage Willi Brandts „Krieg ist nicht mehr die Ultima Ratio, sondern die Ultima Irratio.“, der Satz von Wilhelm Busch „Es kann der Frömmste nicht in Frieden leben wenn es dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ und der Satz des Ch’an-Meisters Niútóu Fǎróng „Gewinn und Verlust – zwei Seiten ein und des selben – was soll da das Reden von Gut und schlecht.“ einander gegenüber gestellt wurden.

Wie darauf antworten?

Doch es gibt noch eine weitere Überlegung, sozusagen eine praktische Umsetzung des Gedanken von Niútóu Fǎróng: Aikido, basierend auf den Gedanken von Ueshiba Morihei. Aikido kann man nicht nur auf der körperlichen Ebene praktizieren, man kann es auch geistig anwenden. Entscheidend ist, dass man den Basisprinzipien folgt, den Gedanken des Ch’an, und sie ernsthaft in das eigene Denken integriert. Denn das ist die Grundlage des Aikido. Wem das zu abgehoben erscheint, der kann sich mit den fundamentalen Fragen beschäftigen, die die Quantenphysiker erkannt haben. Die sind nämlich auf das Gleiche gekommen. Wichtig ist dabei, nicht in den Mystizismus abzudriften.

Die Voraussetzungen schaffen

Das hat eine Voraussetzung: Ich muss anders denken, ich muss lernen die Welt zu sehen, wie sie wirklich ist. Nur dann kann ich wirklich leben. Wenn ich wirklich leben will, muss ich mit all den Geschichten und manchmal auch handfesten Unwahrheiten wie mit dem Schweigen aufhören, wo etwas gesagt gehört. Es muss Schluss sein mit dem Selbstbetrug und der Selbsttäuschung. Ich muss sehen, wie die Welt ist und nicht, wie ich sie gerne hätte.

Was bisher passierte

Selbstbetrug und Selbsttäuschung. Das ist der fatale Beitrag, den auch ich jahrelang geleistet habe. Damit mache ich jetzt wirklich Schluss. Ich will kein Rädchen mehr im Getriebe sein, sondern ein eigenständig denkender und handelnder Mensch, der die Welt sieht, wie sie wirklich ist. Es besteht ein gewaltiger Unterscheid zwischen dem, was ich für wirklich halte und dem, was wirklich ist.

Was ist also wirklich?

Genau deshalb stelle ich mir ernsthaft der Frage, wie wirklich denn überhaupt die Wirklichkeit ist, in der ich zu leben glaube! Oder erlebe ich sie nur? Oder mache ich sie? Solche sprachliche Differenzierungen schaffen es tatsächlich, einen komplett zu verunsichern, denn das bringt Weltbilder ins Wanken. Aber nur auf diese Weise bringe ich mich auf die sichere Seite, denn einer Illusion anzuhängen ist nur scheinbar sicher.

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