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Regiearbeit

Regiearbeit ist die Kunst, etwas unter Umständen sehr detailliert zu planen, sich bei der Aufführung jedoch nicht mehr einzumischen, sondern sich davon überraschen zu lassen, was dann passiert. Um eine gut Regie führen zu können, muss der Regisseur die Schauspieler sehr gut mit all ihren Charaktereigenschaften, Bedürfnissen und Gewohnheiten kennen, genauso wie er das Stück sehr gut kennen muss, vor allem muss ihm klar sein, was er damit ausdrücken möchte.

Er braucht jede Menge Wissen zu all den Dingen, die später auf der Bühne passieren können. Je mehr die oder der, die Regie führen, darüber wissen, desto besser ist es. Es geht auch um scheinbare Kleinigkeiten, etwa wie das Bühnenbild gestaltet sein muss, damit die bestmögliche Wirkung erreicht werden kann. Je mehr Detailwissen vorhanden ist, desto besser kann man die Schauspieler anleiten und umso klarer wird das Spiel. Das will immer wieder geübt sein. Bei den Proben sitzt die Regie daneben, doch sie kann das Spiel unterbrechen, wenn etwas in eine Richtung läuft, die nicht gewollt ist.

Bei der Aufführung sitzt selbst die Regie unter den Zuschauern und erlebt, was die Schauspieler aus dem machen, was die Regie sich vorgestellt hat. Und gelingt die Aufführung, dann können auch die Zuschauer erreicht und motiviert werden. Es ist perfekt, auf diese Weise Gedanken und Sichtweisen zu transportieren, die manchmal wirklich ansteckend wirken und zum Nachdenken anregen, vielleicht sogar nachdenklich machen.

Das ist so, egal ob man für den eigenen Auftritt, den Auftritt einer Gruppe oder eines Unternehmens Regie führt. Nur die Dimensionen werden größer, aber im Grunde ist es dasselbe. Wer für eine Gruppe oder ein Unternehmen Regie führt, der kommt nicht daran vorbei, erst einmal für und bei sich selbst Regie zu führen. Stimmt der eigene Auftritt nicht, kann man auch nichts weitergeben.

Die Regie selbst ist für die Zuschauer nie sichtbar, sie wirkt sozusagen im Verborgenen. Dabei ist ihr Einfluss entscheidend für das, was letzten Endes Realität werden wird. Es ist eine Ausrichtung, mehr nicht. Das muss die Regie akzeptieren, wenn sie wirken will. Die Regie öffnet den Raum für das Mögliche. Mehr nicht. Jedes unmittelbar nach außen Wirken-Wollen wäre eine Illusion und letztlich ein gewaltiges Hindernis für das Mögliche.

Eine perfekte Beschreibung für mein Leben. Ich habe tatsächlich nicht unter Kontrolle, was passieren wird, doch ich kann ganz klar die Richtung vorgeben, vorausgesetzt, ich akzeptiere, das ich nicht in der Hand haben, was geschehen wird.

Veröffentlicht in Reflexionen