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Perspektivwechsel

Kürzlich hatte ich ein interessantes Gespräch, in dem es um die Frage ging, wer wen anschaut: Ich ein Weizenglas oder das Glas mich. Wir einigten uns schließlich darauf, dass das Glas mich anschaut, ob bewusst oder nicht, das lasse ich jetzt einmal dahingestellt. Nur ich schaue es nicht an, ich bin nur der Empfänger für das, was da auf mich zukommt.

Lässt sich ganz leicht erklären, wenn man den Prozess der Wahrnehmung genau untersucht. Eigentlich wollte ich zuerst ‚betrachtet‘ schreiben. Aber stimmt das auch wirklich, oder ist es da nicht genauso? Aber das schiebe ich jetzt erst einmal zur Seite.

Diese Feststellung, dass ich wahrnehmen kann, was auf mich zukommt, erinnert mich an den Regenbogen, der ja nicht existiert, sondern nur ein Phänomen der Wahrnehmung ist, das durch das Zusammentreffen von Wasserdampf in der Luft und Licht und einem Wahrnehmenden entsteht. Nimmt es keiner wahr, ist da auch nichts. Was ich also sehe ist tatsächlich nur ein Lichtspektrum, das ich durch Wassertropfen abgelenktes Licht wahrnehmen kann. Aber keinen Regenbogen.

Die interessante Frage ist, ob es mit dem Weizenglas nicht auch so ist. Nicht das Sie jetzt denken, dass ich einen im Tee hatte, es war alkoholfreies Weizen. Materie besteht ja vor allem aus Nichts, jedenfalls nichts, was man so ohne weiteres beschreiben kann. Es ist zu 99,99999 % nicht das, was ich zu sehen glaube.

Materie besteht nicht aus dem, was ich sehe. Was natürlich bedeutet, das auch das, was ich zu sehen meine, tatsächlich nicht existiert. Selbstverständlich existiert da etwas, aber etwas völlig anderes. Wobei das nichts Gegenständliches sein muss. Schon faszinierend, was die 3 Pfund Gehirnmasse so alles aus dem machen, was es überhaupt nicht gibt.

Daher werde ich nicht mehr glauben, dass das, was ich wahrzunehmen glaube, auch wirklich so ist und alle Interpretationen lassen, vor allem die emotionaler Art. Was Kommunikation scheinbar schwierig macht. Aber das denke ich ist nicht wirklich so, eher erwächst aus diesem Wissen die Notwendigkeit, klar und ohne Rüschen zu kommunizieren. Dann kann ich auch wieder von dem ausgehen, was ich sehe, aber ohne das sonst dazu gedachte Drumherum.

Veröffentlicht in Reflexionen