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Innen wie außen

Ist ‚innen‘ wie ‚außen‘? Eine Frage, die unter zwei Gesichtspunkten interessant ist. Es ist erst einmal die Frage, ob es für mich überhaupt ein ‚Außen‘ gibt. Die Antwort versuche ich am Ende zu formulieren.

Die andere Frage ist, was für mein Verhalten ‚innen‘ und ‚außen‘ bezogen auf mich selbst bedeuten. Dabei gehe ich erst einmal davon aus, dass es beides gibt, zumindest für mich erfahrbar ist. Doch was also bedeutet das jetzt für mich?

Gibt es einen Zusammenhang zwischen der Aufgeräumtheit im Inneren und der Aufgeräumtheit im Außen? Lässt das eine Rückschlüsse auf das andere zu? Kann ich über das eine vielleicht sogar das andere beeinflussen?

Ich denke, dass das so ist. Meine äußere Welt ist ein Spiegelbild meiner inneren Welt. Wenn um mich herum nur von mir selbst verursachtes Chaos herrscht, dann ist auch in mir viel Chaos. Wenn in mir Unordnung ist, dann ist auch um mich herum Unordnung. Ordnung im Außen ist ein guter Einstieg, um Ordnung im Inneren herzustellen.

Was ich tue, basiert ja darauf, was und wie ich denke. Bewusst anders zu handeln als ich denke bemerkt jeder, der mich einigermaßen aufmerksam beobachtet und wahrnimmt. Dauerhaft bewusst, also willentlich anders zu denken als ich handle (was ja viele meinen, dass sie es tun könnten), ist ein gewaltige Illusion. Selbst wenn ich mich kurzfristig verstelle, muss ich ja genau das denken, sonst könnte ich es überhaupt nicht tun.

Was und wie ich denke ist also nicht von dem zu trennen, wie ich ‚bin‘, wie ich mich verhalte und was ich tue. Das ist die eine Seite der Medaille. Die andere ist, dass ich dadurch, dass ich mein Verhalten wie mein Tun sehr bewusst gestalte, ich auch unmittelbaren Einfluss auf mein Denken nehme. Wie ich denke, entzieht sich einer bewussten ‚Kontrolle’, aber nicht mein Tun.

Wir wissen beispielsweise, dass man sich mit einem Badeanzug bekleidet wesentlich schwerer tut, eine mathematische Aufgabe zu lösen als in Abendkleidung. Kleider machen eben Leute. Dieses Zitat erlangte durch Gottfried Kellers gleichnamige Novelle weite Bekanntheit und ist sogar wahr. Zahlreiche Studien bestätigen den Zusammenhang zwischen Kleidung und psychologischen Effekten auf ihren Träger. 

Was ich im Beruf immer genutzt habe und mir genau überlegte, was ich wann anziehe. Doch die Frage ist, ob ich ‚nur‘ so wirkte, oder ob meine innere Haltung sich dadurch auch verändert. Und ich denke, dass das exakt so ist. Dass ich mich mit meiner Kleidung ständig an die äußere Situation anzupassen suchte, hatte auch eine ‚innere‘ Wirkung: Ich wurde immer anpassungsfähiger.

Als ich aufhörte, als Anwalt zu arbeiten, begann ich irgendwann, hautsächlich dunkle Sachen zu tragen, einfach, weil es praktisch war. Und genau das fand sich nach einiger Zeit auch in meinem Verhalten wieder, nicht das Dunkle, sondern das Konsequente und das Einfache.

Mit der Zeit kam noch etwas anderes hinzu, mein persönliches Umfeld bemerkte nämlich, dass ich irgendwie anders geworden war. Des Rätsels Lösung war bald gefunden: Ich hatte Motorrad zu fahren gelernt. Was vor allem damit zusammenhängt, dass mir das Motorradfahren sehr deutlich gemacht hat, dass ich selbst eben kein mechanisches Teil bin.

So kam zur Konsequenz die Genauigkeit hinzu wie auch das Bewusstsein für Zusammenhänge. Durch das Motorradfahren begann ich meine eigenen inneren Barrieren zu erkennen. Die Hauptbarrieren waren einmal mein ‚ich will‘, dann meine Ängste und das fehlende Verständnis dafür, wie ich tatsächlich funktioniere.

So sichtbar ich auch für mich und andere sein mag, eines habe ich begriffen: letztlich bin ich Geist, also ein Geistwesen. Wobei  ‚Geist‘ ein sehr diffuser Begriff ist. Doch was bedeutet das genau, ohne dabei einem Mystizismus anheim zu fallen und zu glauben, ich hätte jetzt Wunderkräfte?

Der Geist drückt sich im Körper aus – und vor allem in der Lebenseinstellung. Und natürlich in dem, was ich tue. Ob ich meine Hose im Stehen anziehe (wir nennen das Propriozeption), oder Motorrad fahre, koche oder laufe – alles nichts anderes als ein Phänomen des Geistes. Das gilt es erst einmal, mir bewusst zu sein.

Die Frage, welche Kräfte ich habe, will ich einmal offen lassen. Eins aber weiß ich, und das ist, dass je mehr ich mich aus unzutreffendem Denken lösen kann, desto mehr komme ich bei mir selbst an. Wo das hinführt, das werde ich wissen, wenn ich dort bin. Mit der Feststellung, dass ich Geist bin, kehre ich zurück zu der Frage nach ‚innen‘ und ‚außen‘.

Innen und Außen existieren nur in meiner gedanklichen Vorstellung. Der ‚Unterschied‘ besteht darin, dass ich die Dinge des Außen über meine Sinnesorgane als Objekte wahrnehme, das Innen über Empfindungen. Doch beide Arten der Wahrnehmung werden mir nur deshalb bewusst erleb- und erfahrbar, weil sie auf dem Schirm meines Bewusstseins erscheinen.

Was aber Bewusstsein ist, das lässt sich nicht beschreiben. Interessant ist, was Erwin Schrödinger in Geist und Materie dazu geschrieben hat, nämlich dass es Bewusstsein seiner Natur nach nur in der Einzahl gibt. Für ihn ist die Gesamtzahl aller „Bewusstheiten“ immer nur eins.

Das ist, was uns die Beschäftigung mit den fundamentalen Fragen der Quantenphysik erkennen lässt, jedenfalls für mich ist es so. Und genau deswegen bin ich auch so sehr an ‚Ordnung‘ interessiert; einer Ordnung, die den Prinzipien des Kosmos folgt, soweit ich sie für mich erkennen kann.

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