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Methode der Nicht-Methode

‚Gedankenlosigkeit‘ hört sich zwar komisch an, doch dieser Zustand ist absolut erstrebenswert, vorausgesetzt natürlich, dahinter steht das richtige Verständnis von ‚Gedankenlosigkeit‘. Nur wie kann ich etwas realisieren, was nicht existiert, keine greifbare Substanz hat?

Klar, ich kann etwas tun, das mich in diesen Zustand bringt wie etwas Extremes tun. Ich fahre dann immer Motorrad, andere radeln bis zur Erschöpfung oder klettern Felsen hoch. Aber auch Musiker oder Chirurgen kennen das; wir nennen das Flow. Aber wie realisiere ich das, wenn ich nichts Besonderes mache?

Das methodisch angehen zu wollen, scheint erst einmal vollkommen unmöglich sein. Ist es auch. Also methodisch geht nicht, aber konsequent sollte es schon funktionieren, vorausgesetzt, man macht das Richtige. Jedenfalls ist das meine Überzeugung.

Gerade habe ich ein Smiley gefunden, das den erstrebten inneren Zustand ganz gut beschreibt, 😑, wohingegen dieses den äußeren Zustand sehr gut beschreibt 😎. Oder auch dieses: 🤣. Man darf nur den inneren nicht mit dem äußeren Zustand verwechseln, daher meditiere ich auch am liebsten auch so 🙃 und nicht so🧘‍♂️.

Die erstrebenswerte „Gedankenlosigkeit“ setzt als erstes einmal Wissen darüber voraus, etwa, damit ich Denken nicht mit Nachdenken verwechsle. Wenn ich denke, merke ich davon nichts, ich kann es allenfalls an meinen Reaktionen erkennen. Andererseits weiß ich, dass ich an meinen sprachlichen Frames sehr gut erkennen kann, wo ich gedanklich unterwegs bin.

Ganz entscheidend ist also mein inneres Weltbild, denn das ist die Basis meiner Frames und damit die Begrenzung meines Denkens. Aber, wie gesagt all das zu wissen ist das eine, doch das bedeutet noch lange nicht, dass ich es auch anwenden könnte. Mit anderen Worten: Wie kann ich mich also disziplinieren, „richtig“ zu denken; jedoch ohne mit dem Kyosaku hinter mir zu stehen, bereit mir eine zu verpassen, wenn ich abdrifte?

Ein Bild hat mich auf drauf gebracht. Es war das Photo von der 5. Solvay-Konferenz 1927, Gruppenbild mit Dame.

Ein Bild, das mich frappierend an die einheitliche Kleidung der Zen-Mönche erinnert:

Was mich wiederum an das Prinzip des Ichi-go ichi-e erinnert, was einmal mit diesem Bild zum Ausdruck gebracht wurde:

In allen drei Bildern kommt – für mich – etwas Identisches zum Ausdruck: eine spezifische Haltung.

Was ich damit zum Ausdruck bringen will: die innere Haltung ist das Entscheidende. Nicht ob ich ordentlich angezogen bin, sondern die darin zum Ausdruck kommende Haltung ist das Wesentliche. Es ist also müßig, nach meiner Natur zu fragen, entscheidend ist, was meine Haltung im Hier und Jetzt ist.

Die sagt nichts über mich aus, denn exakt so bin ich. Letztlich gibt es mich ja nicht, denn ich bin „nur“ ein Prozess. Und diese innere Haltung des Gleichmuts und der Gedankenlosigkeit ist erst einmal anstrengend, denn es kostet mich Selbstüberwindung, denn es bedeutet, meinen Gedanken und Emotionen nicht zu folgen, nicht zu werten und nicht zu urteilen.

Über meine Haltung, die im Außen sichtbar ist, gelingt es mir, die nicht greifbare Gedankenlosigkeit zu greifen. Wie sagt doch Huang-Po:

„Der Geist ist der Buddha, während das Nachlassen des begrifflichen Denkens der Weg ist.“

Veröffentlicht in Gedanken