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Gedankenlosigkeit

Hört sich komisch an, ist es aber gar nicht. Die Evidenz der Gedankenlosigkeit etwa beim Motorradfahren bedeutet keineswegs, dass ich in solchen Momenten nicht denken würde. Nur ich habe einfach keine Gedanken – idealerweise. Wenn man etwas nicht findet, bedeutet das nicht, dass es nicht existiert.

Eine Tatsache, die man sehr nüchtern betrachten muss, will man sich nicht in wilden Spekulationen verlieren. Erst einmal kann ich definitiv sagen, dass ich in diesem Zustand der scheinbaren Gedankenlosigkeit sehr effektiv und effizient zu handeln in der Lage bin, vorausgesetzt, ich habe (etwa das richtige Bremsen) ausreichend geübt.

Zwei Dinge lassen sich daraus ableiten: Was ich vorher nicht geübt habe, was ich also nicht zu implizit verfügbarem Wissen gemacht habe, steht mir auch nicht zur Verfügung. Das andere ist, wobei es sich eigentlich direkt aus dem Prinzip der Anwendbarkeit ergibt, das ist, dass da absolut kein Raum für Spekulationen oder mystischen Schnickschnack ist.

Mystisch ist es schon, aber eben erlebbar. Es ist also etwas ganz anderes, als zum Beispiel „spontane“ Ideen zu haben oder „spontan“ Lösungswege zu finden. Die entstehen zwar auch im Zustand der Gedankenlosigkeit, aber sie müssen erst noch verifiziert werden, damit ich sie überhaupt anwenden kann.

Wenn ich einmal gedankenverloren oder gedankenlos herumsitze und nichts tue, dann ist das eine vollkommen andere Art der Gedankenlosigkeit, die ich sauber auseinander halten muss.

Eigentlich müssten das Motorradfahrer verstehen, aber ich habe noch keinen gefunden, der darüber nachgedacht hätte. Für sie ist es einfach nur eine Art Mysterium. Kann ich verstehen, ich weiß nämlich auch nicht, wie man das erklären kann und vor allem, wie man das im Alltag auch umsetzen beziehungsweise lernen kann.

Es scheint nicht nur, sondern es ist so, dass ich an meine Grenzen kommen muss, um diesen Zustand der Gedankenlosigkeit zu erreichen, denn dann lasse ich das begriffliche Denken. Doch wie erreiche ich diesen Zustand, wenn ich nichts besonderes tue?

Das ist die Frage, die mich immer wieder beschäftigt.

Veröffentlicht in Gedanken