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Form oder Inhalt?

Wenn ich etwas gestalten wollte, hielt ich sehr lange Zeit immer den Inhalt für entscheidend. Oft war jedoch ich frustriert darüber, dass es nicht so wurde, wie ich „eigentlich“ wollte. Dabei lag die Erklärung dafür auf der Hand, nur kannte ich die da noch nicht.

Wenn ich einen Tisch bauen will, dann ist das, was ich kreieren kann, fraglos vollkommen abhängig davon, welches Holz ich nehme, was für Werkzeuge mir zur Verfügung stehen und vor allem, wie die Idee über das zu Schaffende in meinem Gehirn repräsentiert wird.

Doch das ist nicht alles, es kommt noch ganz wesentlich mein mentaler Zustand hinzu. Zuerst einmal mein Wissen über die Herstellung von Tischen, mein ästhetisches Empfinden und welche Laune ich gerade habe. Wenn mir beispielsweise die Hüfte wehtut, dann wird der Tisch letztlich eine Spur anders aussehen, als wenn mir meine Hüfte nicht wehtut.

Sie halten das für übertrieben? Ich nicht! Oder nehmen Sie den Apfel, den ich zum Frühstück gegessen habe. Der Apfel ist der Inhalt, doch was den Apfel zu genau dem Apfel hat werden lassen, das hängt von der äußeren Form ab, die den Apfel werden lässt.

Der Weg zum Tisch oder zum Apfel ist genauso lang wie der Weg zu dem, was ich gerade tue. Was ich tue, etwa was ich schreibe oder wie ich einem anderen begegne, ist abhängig von meinem Weltbild und meinem inneren Zustand. Also der Form. Die macht den Inhalt.

Daher ist die Form das Entscheidende, das eigentlich. Das hat mir bewusst gemacht, dass ich mich unabhängig von einem späteren Inhalt auf meine Form konzentrieren muss. Dazu gehört vom Weltbild bis zur mentalen Stimmung alles, was mich ausmacht.

Veröffentlicht in Gedanken I