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Es könnte auch ganz anders sein …

Doch das habe ich selbst in der Hand und niemand sonst. Klingt wunderbar einfach, ist es aber nicht wirklich.

Also einfach. Denn es kostet erst einmal eine gehörige Portion Selbstüberwindung, denn man muss aufgeben, was man bisher für wahr gehalten hat. Doch möglich ist es fraglos. Was natürlich dabei nicht in Vergessenheit geraten darf ist, dass alles Eins ist, aber eben ein in sich differenziertes Eines. Aber das spielt hier erst einmal keine Rolle.

Doch warum soll es schwierig sein, wenn es doch auch ganz anders sein könnte? Natürlich vorausgesetzt, wenn es besser als bisher sein könnte! Das ist ganz klar ein energetisches Thema – aber kein Problem. Energie ist ja das, was uns in Bewegung hält; körperlich wie auch mental und emotional. Jede Art von Bewegung, also auch eine geistige oder emotionale, ist ein Ausdruck meiner Lebensenergie, aber eben keiner vorab definierten Form, sondern der Form, die ich für ‚angemessen‘ halte. Sagt man beispielsweise jemand sei ‚emotionslos‘, dann stimmt das nicht, er gibt seiner Lebensenergie nur eine andere Form als der andere es für angemessen hält.

Es ist meine individuelle Entscheidung, ob ich mich wie ein Fels in der Brandung oder wie fließendes Wasser verhalte – und nicht etwa nur sein möchte. Es lässt sich nicht so einfach sagen, was für einen besser wäre, es kommt immer darauf an. Natürlich ein wunderbares Fest für alle die meinen, sie wüssten, wie andere zu sein hätten. Das ist ja der Witz am Leben, dass man sein Leben – natürlich im Kontext mit anderen – so gestalten kann, wie man eben leben möchte. Die Herausforderung dabei ist nur herauszubekommen, wie man wirklich leben möchte.

Das sehe ich ganz leicht daran, wie ich tatsächlich lebe. Was jetzt nicht bedeutet, dass mir das auch gefällt. Eric Berne hat das in seinem Buch „Die Spiele der Erwachsenen“ wunderbar beschrieben. Die Herausforderung ist also erst einmal, dass ich herausbekommen muss, was für ein „Spiel“ ich überhaupt spiele, wobei diese „Spiele“ meist alles andere als lustig sind. Ich habe beispielsweise einmal das Spiel „ich scheitere beruflich“ gespielt, ein Spiel, das alles andere als witzig war. Mit exakt diesem Spiel konnte ich meinem Vater treu bleiben. Was ich aber nicht ihm zuliebe tat, sondern aus egoistischen Gründen. Denn so musste ich mich nicht mit seiner Geschichte auseinandersetzen, die ja auch meine Geschichte ist, schließlich bin ich sein Sohn. Also kopierte ich die Geschichte ganz einfach. Ziemlich fatal.

Nur begriff ich erfreulicherweise, dass es auch ganz anderes sein kann. Ich brauchte nur zu erkennen, was ich da tatsächlich mache. Ganz konkret, Es ging eben nicht darum, dass ich pleite ging, sondern darum, dass ich meinem Vater treu sein wollte, einfach weil ich nicht mit seiner Geschichte konfrontiert werden wollte. Das war ja auch meine Geschichte als sein Sohn! Heute denke ich, dass ich mich für ihn schämte und lieber selbst Blödsinn machte. Eine wunderbare Möglichkeit, mich selbst am Nachdenken zu hindern.

Langer Rede kurzer Sinn: Ich selbst gestalte mein Leben. Doch üblicherweise denken wir ganz anders, wie Étienne de la Boétie in seinem Essay „Von der freiwilligen Knechtschaft des Menschen“ absolut treffend beschrieben hat. Oder Erich Fromm in seinem Buch „Die Furcht vor der Freiheit“, in dem er die These aufstellt, „daß der moderne Mensch, nachdem er sich von den Fesseln der vor-individualistischen Gesellschaft befreite, die ihm gleichzeitig Sicherheit gab und ihm Grenzen setzte, sich noch nicht die Freiheit – verstanden als positive Verwirklichung seines individuellen Selbst – errungen hat.

Das ist oder war die emotionale Kröte, mit der ich mich selbst gefesselt hatte. Jede Emotion hat einen Grund, aber keinen Ursprung. Diesen Grund definiere ich selbst. Und genau deswegen könnte es auch ganz anders sein … Doch was bewegte mich, endlich darüber nachzudenken? Ganz einfach, ich begriff dank der Erkenntnisse der Quantenphysiker (!), dass ich mein Leben höchstpersönlich selbst im Kontext mit allem Existierenden selbst gestalte. Also war für mich Schluss damit, auf andere zu hören, aus welcher Ecke sie auch kamen. Anregungen hole ich mir gerne, aber nicht mehr. Nachgedacht wird ab sofort selbst.

Und genau deswegen habe ich auch aufgehört, meinen Emotionen zu glauben; sondern ich sehe sie als das an, was sie sind: Eine Folge meines Denkens. Und das gehört einfach aufgeräumt und in Ordnung gehalten. Dann klappt es auch mit den Emotionen, dann habe ich die Emotionen, die ich haben will. Alles nur eine Frage der Bewusstheit. Doch was tun, damit ich mich nicht in irgendwelche gedanklichen Konstrukte verheddere? Da ich ein pragmatischer Mensch bin habe ich mich auf die Quantenphysiker besonnen.

Nicht nur, dass die sich wunderbar mit den Ch’an-Menschen verstehen, nein, es funktioniert auch ganz praktisch, was sie machen. Sich mit Physik zu beschäftigen halten viele für eine ziemlich technische Angelegenheit, doch das ist sie gerade nicht. Die Quantenphysik stellt die Frage danach, was Atome zu Atomen und Moleküle zu Molekülen macht. Ich selbst bin ja auch nichts anderes als eine Menge Atome und Moleküle. Und die Quantenphysik gibt auch eine ganz pragmatische Antwort auf die uralte frage wie der Geist in die Materie kommt. Kommt er nämlich nicht, denn er ist das selbst. Nur nehmen wir ihn anders wahr. Wir sehen zwar Atome und Moleküle, doch das ist nur ein Trick der Wahrnehmung.

Veröffentlicht in Reflexionen