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Erfahrungen

Was ich bin verdanke ich meinen Erfahrungen. Mein Erleben hat mich nicht nur „geprägt“. Ich sagte früher schnell, dass ich dieses oder jenes erlebt hätte. Mittlerweile bin ich damit sehr vorsichtig geworden, denn wenn was ich erlebt habe ist nicht das, was ich gesehen habe, sondern viel, viel mehr.

Doch was sind Erfahrungen überhaupt? Da sind einmal die Fakten, zum anderen, wie ich diese interpretiert und welche Konsequenzen ich daraus gezogen habe sowie die damit einhergehenden Emotionen. Wobei gerade die Emotionen die Haltbarkeit von Erfahrungen deutlich erhöhen, Erfahrungen, die man auch anders hätte erleben können.

Als mein Vater, ich war so etwa 8,9 Jahre alt, mit der toten Katze nach Hause kam, fragte ich ihn, ob sie tot sei. Und schon hatte ich eine ordentliche Ohrfeige bekommen. Eine Situation, die ich gedanklich immer mit einer anderen zusammenbringe, als uns nämlich die Dampfdruckheizung in unserer Wohnung um die Ohren zu fliegen drohte und ich nur fragte, ob sie denn jetzt explodieren würde. Da brannte hinterher auch meine Backe.

Früher habe ich diese Situationen als verletzend empfunden, bis mir bewusst wurde, dass ich das immer mit einem Grinsen im Gesicht erzählte. Was war nur der Witz dabei? Dass ich meinen Vater emotional aus der Fassung bringen konnte? Oder war mir unbewusst bewusst, dass er mit Tod und auch mit Destruktion ein Problem hatte und ich ihn so aus der Fassung bringen konnte oder sogar wollte?

Ich weiß es (noch) nicht, aber es zeigt mir, dass ich mit diesen Erfahrungen nicht nur die Ohrfeigen erinnere, sondern auch etwas völlig anderes, etwas das ganz offensichtlich im Widerspruch dazu steht. Was wohl ein Psychologe dazu sagen würde? Keine Ahnung. Aber eines ist klar: Hinter einer Erfahrung steckt meist wesentlich mehr, als es den Anschein hat!

Also ist die erste Frage, was verbinde ich wirklich mit einer Erfahrung? 

Veröffentlicht in Gedanken I