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Einschätzung

Die vielleicht größte Fallgrube überhaupt ist zu denken, ich könnte mich selbst „objektiv“ einschätzen. Das ist selbstverständlich eine Illusion, denn wie sollte ich mich selbst – also subjektiv – objektiv einschätzen können?

Aus diesem Dilemma entkomme ich auf zwei Arten: Einmal, indem ich auf die Meinung anderer höre und reflektiere, was sie sagen. Muss ja nicht stimmen, was der Andere über mich sagt, doch wenn es stimmt oder auch nur in die richtige Richtung weißt und ich es nicht bedenke oder auch nicht hören will, dann habe ich ein Problem.

Also höre ich mir an, was andere über mich sagen und reflektiere das, denke also nicht nur darüber nach, selbstredend ohne mich dabei vor mir selbst zu rechtfertigen. Gerade wenn mich ein anderer kritisiert laufe ich schnell Gefahr, mich zumindest vor mir selbst zu rechtfertigen, wobei jede Art der Rechtfertigung immer nur ein Selbstschutz ist.

Der Blick in den Spiegel kann ja eine wirkliche Herausforderung sein, wenn man sich eingestehen muss, dass das, was man da sieht, tatsächlich so ist. Doch dem muss ich mich stellen, will ich meine Konvention-Maske abnehmen. Das aber ist notwendig, will ich der sein, der ich „eigentlich“ bin.

Es geht also nicht darum, mich einzuschätzen, was ja immer ein Maß voraussetzt; sondern zu erkennen, wie ich bin. Das kann ich jedoch nur im Kontext zu allem anderen und nur, wenn ich keine Vorstellung von mir selbst habe, also ein „Ich“ gerade nicht anwesend ist.

Veröffentlicht in Gedanken I